Möbelklassiker

Da ist dieser Ohrwurm. Immer und immer wieder summen wir das Lied. Der Gedanke an den ersten Ton hat dafür gesorgt, dass sich die Musik wiederholt im Kopf abspielt. Meist ist es ein Evergreen, ein Song also, der schon viele Jahre alt ist. So ähnlich verhält es sich mit klassischen Werten in jedem Milieu. Zeitlos und ansprechend bleiben sie, was sie sind, obwohl sich rundherum alles verändert.

Möbelklassiker werden designt oder weitergegeben. Manchmal kommt es vor, dass ein Möbelstück ohne großes Zutun zum Klassiker wird. Meistens aber setzen Möbeldesigner ihren ganzen Ehrgeiz in die Kreation zeitlos schönen Interieurs und folgen damit einem Trend, der sich in immer mehr Häusern wiederfindet.

Ein Klassiker der Wohnkultur 

Innovativ, extravagant und völlig neu in der Gestaltung entstehen Möbel mit Klassikerstatus. Funktionalität macht sie zu Gebrauchsobjekten, die man nicht mehr missen möchte. Ästhetik verbindet sich mit praxisbezogener Brauchbarkeit und setzt neue Maßstäbe. Gelingt das dem Designer, entsteht ein neues klassisches Kultobjekt im Wohnbereich. Unabhängig von der Mode bietet es Mehrwert und bringt Beständigkeit in den Alltag. 

Video: Zeitlos schön - Designklassiker | DW Deutsch

Hardoy Butterfly Chair

1938 entwickelt, startete der bekannte Sessel ab den 1940er Jahren seinen Triumphzug. Entworfen vom  Designer-Trio Ferrari-Hardoy, Kurchan und Bonet wurde der beliebte Schmetterlingssessel 1940 mit dem argentinischen Designpreis ausgezeichnet. Designliebhaber mit Anspruch möchten nicht auf seine einzigartige Form verzichten. Damals in Leder zierte er mit reduzierter Eleganz das Wohnzimmer; heute bevorzugt man Stoff und verwendet den bequemen Sessel gern Outdoor. Der Klassiker lässt sich problemlos dem Lauf der Zeit anpassen und erhält so seinen zeitlosen Charakter.

Minimalistische Regalsysteme

Wenn die Menschen einen Platz dafür hätten, würden sie mehr Bücher kaufen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf entwarf das Ehepaar Strinning, heute das schwedische Label String, 1949 ein Regalsystem, das in seiner Schlichtheit bahnbrechend war. Furnierte Regalbretter werden in  kunststoffbeschichtete Drahtleitern eingehängt und fertig ist ein Bücherregal. In dieser Zeit ein revolutionäres Konzept: Ein ständig erweiterbares Möbelstück erobert sich seinen Platz in den heimischen vier Wänden.

Bugholzstuhl

Rund wie die Blumen der Hippies und doch vom Minimalismus geprägt, stellen die Designs der 70er Jahre reduzierte Eleganz in den Vordergrund. Zu runden Tischen und Leuchtern gesellten sich gebogene Stühle ohne Ecken und Kanten. Dazu erinnerte man sich der Pläne von Michael Thonet, der 1819 mit seiner kreativen Idee den Grundstein für die erste Thonet-Fabrik legte. Die „Wiener Cafehausstühle“ eroberten die Welt und gehören immer noch zu den meistverkauften Stühlen überhaupt. Heute finden wir den Bugholzstuhl oftmals wieder bespannt mit Rohrgeflecht wie in seinen Anfängen. Ein Klassiker feiert sein Comeback.

Satztische „B9“

Jeder kennt sie und jeder hat sich schnell vom praktischen Nutzen der stapelbaren Beistelltische überzeugt. Schon in den 30er Jahren experimentierte Marcel Breuer mit Stahlrohr. Das Bauhaus war in aller Munde und die Vereinigung von Form und Funktion beherrschte den Zeitgeist. Kleine würfelförmigen Tische passten da gut ins Konzept fürs Wohnzimmer. Durch die verschiedenen Größen übereinander stapelbar und bei Bedarf für jeden Zweck einzeln verwendbar finden sie auch heute noch platzsparend in zeitlos attraktiven Räumlichkeiten Verwendung.

Roth Bett

Das wandelbare Sitzmöbel für stilbewusste Puristen wurde 1927 von dem Schweizer Alfred Roth konzipiert. Ein schiebbares Bett mit Kufen, das sich in eine Nische schieben lässt, sollte es werden. Ein Wohnzimmerklassiker ist es geworden. Mühelos verschiebbar durch Edelstahlkufen und mit Kissenrollen bestückt verwandelt sich das Bett blitzschnell in ein Sofa oder das Sofa sich in ein Bett für überraschend über Nacht bleibende Gäste. Ästhetisch und mit seiner funktionellen Qualität hat das Bett Jahrzehnte überdauert und wird weiterhin vielen Generationen hilfreich zur Seite stehen.

Nicht jede Möbelerfindung wurde zum Klassiker. Die jede Möbelerfindung half seinem Designer auf die Sprünge. Jahrelange Erfahrung, Pioniergeist, Geduld und Kreativität sind erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen. Einige Möbeldesigner haben es geschafft. Viele bleiben unentdeckt. Neue Namen werden im Lauf der kommenden Jahre hinzukommen. Aus revolutionären Ideen wurden und werden immer wieder zeitlose Selbstverständlichkeiten, begrenzt in Material und Farbe, der Mode unterworfen. Doch ihre Form und Funktion bleibt: Klassisch, stilvoll, nützlich und elegant.

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