Die Kunst aus Altem Neues zu zaubern

Auf Omas Dachboden steht noch der alte Sessel, in dem sie immer ausruhte und ihre Geschichten erzählte. Völlig zerschlissen und abgenutzt, aber der Kern noch gut. Das ist so schade. Der Sessel hat nicht nur Charme, er ist auch ein Erinnerungsstück an Oma. Und da liegt er, weil es keiner über das Herz bringt, ihn zum Sperrmüll zu schaffen und weil man sonst nichts damit anfangen kann.

Upcycling: Aus Alt mach Neu!

Das Zauberwort heißt Upcycling. Es ist nicht nur hipp und trendig, sondern steht gleichzeitig für Nachhaltigkeit und umweltfreundliches Verhalten. Alte Dinge wiederverwerten, möglichst mit einfachen Mitteln, ihnen ein zweites Leben schenken und Erinnerungen zu nützlichen Zwecken behalten, das macht nicht nur Spaß, sondern zeugt ebenso von Individualität. Hingucker für Wohnung und Garten entstehen, die nicht im Handel erhältlich sind.

Der Sessel von Oma braucht unter Umständen nur einen neuen Bezug. Das macht jeder Polsterer perfekt und die Kosten übersteigen die von einem neuen Sessel auch nicht. Handwerklich begabte Personen können selbst Bezugsstoff kaufen, zuschneiden und nähen. Das ist gar nicht so schwer: Man trennt den Stoff vom Möbelstück und versucht ihn möglichst zusammenzuhalten. Danach wird er auf dem Boden ausgebreitet und der Schnitt mittels Packpapier oder Folie und Kreide abgenommen. Fehlende Ecken und Enden müssen dabei natürlich Pi mal Daumen eingesetzt werden. Zu guter Letzt wird der Sessel neu bezogen und der Stoff zusammengenäht. Vielleicht reicht aber auch eine schicke Husse, um den Sessel wiederzubeleben? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Video: DIY: Neuer Anstrich für alte Möbel | Einfach genial | MDR

Aufbereiten mit wenig Aufwand

Die alten Möbel lassen sich auf vielerlei Art verändern. Ein neuer Anstrich mit Kreidefarbe macht aus einem abgenutzten Regal ein stylisches Wohnaccessoire im Shabby-Chic-Look. Außerdem lassen sich Farbverläufe oder sorgfältig eingesetzte geometrische Akzente kreieren. Ob mit streichfertiger Farbe oder mit viel Liebe selbst zusammengemixt ergeben sich interessante Blickfänge, die für neues Wohngefühl sorgen. Wem das Klecksen mit Farbe nicht so liegt, der foliert sich die Farben auf den Schrank. Folien werden in vielen Farben und Mustern angeboten. Oder man macht das alte Teil einfach mal so richtig sauber und lässt es als Zeugen der Vergangenheit abgeblättert im Raum stehen. Auch das gefällt und sorgt für Wärme und Gemütlichkeit.

Das aufgearbeitete Regal erstrahlt in neuem Glanz, braucht aber noch so ein bisschen Pepp? LED-Hintergrundbeleuchtung oder diverse andere Leuchtmittel setzen die neue Wertarbeit so richtig in Szene. Aus geeigneten Kleinmöbeln lassen sich so auch richtige Lampen basteln. Dies taucht nicht nur das Zimmer in ein angenehmes Licht, sondern bringt auch gleich das Möbelstück zum Strahlen.

Im Trend: Paletten- und Kistenmöbel

Ein weiterer Trend entwickelt sich in Richtung Paletten- oder Kistenmöbel. Nachhaltig wird hier Holz wiederverwertet, was seinen Zweck bereits erfüllt hat. Möbelpaletten sind einfach aufzuarbeiten, leicht und schnell zusammengestellt und ergeben Kleinteile mit industriellem Charme. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Über- oder hintereinander gestapelt ergeben sie, was das Herz auch immer begehrt. Mit weichen großen Kissen drapiert baut man sich damit auch schnell ein Sofa oder ein Bett. Die bereits verbauten Teile bilden eine gute Basis für den Möbelbau im Do-it-yourself-Look und können ebenso als Dekoration oder Raumteiler verwendet werden.

Wie wäre es mit einem Podest für Omas Sessel? Geschickt zusammengestellt heben die Paletten diesen Blickfang an und zusätzlich gewinnt man noch Stauraum darunter. So entsteht eine Kuschelecke mitten im Raum, die optisch getrennt eine kleine Insel bildet. Oder vielleicht doch lieber ein richtiges Piratennest im Kinderzimmer? Doch Vorsicht! Kleine Piraten sind auf freier Fahrt kaum aufzuhalten und so mancher Schiffsboden ging dabei schon zu Bruch.

Unzählige Möglichkeiten

Letztlich können sogar alte Haushaltsgegenstände als Schmuckstücke die Wohnung bereichern. Die alte wacklige Leiter verschönert so als Garderobe den Flur oder dient als Pflanzenständer. Die nicht mehr getragene Kleidung kann immer noch für Kissenbezüge genutzt werden und die Milchkanne als Schirmständer. Schier unendlich sind die Möglichkeiten, Kleinteile aus der Küche für andere Zwecke zu verwenden. So gibt auch das vom Rost befreite und frisch lackierte Reibeisen eine neue Aufbewahrung für den Schmuck her und die alten Gläser werden zu Windlichtern. Gerade beim Zusammenspiel mit Licht ergeben auch alte Einmachgläser oder leere Weinflaschen dekorative Elemente mit Funktion.

Man benötigt keinen Zauberstab, um zu zaubern. Mit etwas Freigeist und Fantasie entstehen wunderbare Formen und Farben, die dem alten Zuhause neuen Schick verleihen. Gleichzeitig heben sie auch noch den Stolz des Besitzers, des Machers. Und letztlich ist doch immer wieder am schönsten, was mit eigener Hände Arbeit geschaffen wurde.

Unter dem Sessel auf Omas Dachboden, der jetzt frisch und sauber die Leseecke ziert, lag übrigens das alte Märchenbuch mit den schönen Bildern. Oma hat so oft daraus vorgelesen. Ein Glück, dass der Sessel mal angehoben wurde. Denn das alte Märchenbuch passt hervorragend auf die Glasplatte, die einfach auf den alten Holzhocker gelegt wurde und als Beistelltisch dient. Nennen wir es liebevoll „Omas Ecke“.

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